Tumaini-Projekt

Reisebericht 2010

Im November 2010 flog ich als neues Vereinsmitglied zum ersten Mal nach Tansania und besuchte zusammen mit der 1. Vorsitzenden A. Horz die Familie Calvin und Jamilla Marealle in Kisongo.

Die beiden sehr engagierten Menschen versuchen mit geringen finanziellen Mitteln die „Secondary School“ am Leben zu erhalten. Der Abschluss ist vergleichbar mit unserer „Mittleren Reife“, was in diesen Regionen bereits einen hervorragenden Abschluss darstellt. In Tansania wird Kisuaheli gesprochen, Amtssprache ist englisch. Und so wird in dieser Schule auch ausschließlich in englischer Sprache unterrichtet.

Beauftragt von den Vereinsmitgliedern auf der Jahreshauptversammlung 2009 überzeugten wir uns von den Fortschritten und dem weiteren Hilfsbedarf der Schule in Kisongo. Herzlich wurden wir empfangen. Die Bescheidenheit, Freundlichkeit und Lebensfreude der Menschen in diesem Land ist bezeichnend und als Gast ist man stets willkommen.

Bei der Besichtigung des „Kisongo Academic College (KAC)“ wurde mir sofort klar: Es mangelt an Vielem!

Die Klassenzimmer der Schule sind aus Stein gemauert und mit Wellblech abgedeckt. Nicht jeder Klassenraum besitzt ausreichend Stühle. Auch Tische sind in nicht ausreichender Zahl vorhanden, von deren Zustand ganz zu schweigen. Als Tafel dient eine mit schwarzer Farbe gestrichene Wand. Unterrichtsmaterial ist nur bedingt vorhanden. Kugelschreiber sind Luxus.

Die sechs unterrichtenden Lehrer, inklusive Schulleiter, sind in einem kleinen Raum untergebracht, der wenig Spielraum zur Unterrichtsvorbereitung lässt.

Und trotzdem wird intensiver Unterricht, der jeweiligen Stufe entsprechend, angeboten. Hiervon konnte ich mich persönlich überzeugen, da ich dem Unterricht gelegentlich beiwohnen durfte.

Für das Schuljahr 2011 fehlt noch ein dringend benötigter Klassenraum. Die Fundamente stehen bereits, für die Fertigstellung fehlen aber noch ca. € 8000,--.

Es gibt einen sehr begrenzten Wohnbereich für Mädchen und Jungen. 20 Schülerinnen bewohnen jeweils ein kleines Zimmer, das mit 5 Hochbetten bestückt ist und die Mädchen veranlasst notgedrungen zu zweit in einem Bett zu schlafen. Das gleiche gilt auch für die männliche Jugend. Sie bewohnen einen Raum mit 46 Schülern in dem 23 Hochbetten stehen.

Auch hier muss Abhilfe geschaffen werden, damit jede/jeder Jugendliche sein eigenes Bett besitzt.

Da die Schulgebühren so gering wie möglich gehalten werden, ist wie oben bereits erwähnt, einiges nicht so komfortabel wie an anderen weiterführenden Schulen. Außerdem kommt das KAC den Eltern der Schülerinnen und Schüler sehr entgegen. Während andere Privatschulen die Schüler gleich am Tor wieder zurückschicken, wenn die Gebühren nicht vollständig eingegangen sind, werden hier beide Augen zugedrückt. Calvin und Jamilla bringen es nicht übers Herz, die Kinder wieder nach Hause zu schicken. Somit wird jede Zahlungsmethode akzeptiert, auch in Naturalien, um die Kinder am Unterricht teilnehmen zu lassen. Am Ende des Schuljahres wird auch hin und wieder das rückständige Schulgeld erlassen, obwohl die Mittel für die Aufrechterhaltung der Schule sehr knapp bemessen sind und die Gasteltern es sich eigentlich nicht leisten können.

Trotz den teilweise widrigen Umständen entwickeln die Schülerinnen und Schüler enormen Lerneifer.

Und so sieht der Tagesablauf der Schüler und Schülerinnen, ausgenommen an Sonn- und Feiertagen aus:

05:00 UhrAufstehen
05:30 UhrMorgendliches Gebet
05:45 UhrReinemachen (Zimmer, Klassenräume, Schulgelände)
06:45 UhrUnterrichtsvorbereitung
07:30 UhrUnterrichtsbeginn
09:00 UhrFrühstück
09:30 UhrFortsetzung des Unterrichts
14:00 UhrMittagspause (Mittagsessen)
14:45 UhrNachmittagsunterricht
17:45 UhrUnterrichtsende
anschließend Waschen und Aufräumen, Putzen und handwerkliche Tätigkeiten / Sport und Spiel
19:00 UhrAbendessen
19:30 UhrNachbereitung des Unterrichtes, Hausaufgaben in den Klassenräumen
21:45 UhrEnde der Schularbeit / Vorbereitung auf die Nachtruhe

Montag und Freitag findet jeweils von 07:00 bis 07:30 Uhr eine Morgenzeremonie statt, bei der u.a. die Nationalhymne gesungen und die Schulordnung vorgelesen wird. Außerdem können Schüler Fragen an die Schulleitung richten und Lehrer Mitteilungen verkünden.

Hierbei wird insbesondere auch auf die Sauberkeit der Schuluniform und die Hygiene der Schüler geachtet.

Aufsichtsschülerinnen und Schüler werden von den Lehrern bestimmt. Ihnen werden spezielle Ordnungsbereiche zugeteilt. Sie dienen den Lehrern als Ansprechpartner und kontrollieren auch ihre Mitschülerinnen und Schüler.

Samstagvormittag stehen Unterricht und allgemeine Aufgaben auf der Tagesordnung. Samstagnachmittag ist großer Waschtag. Der Abend ist frei. Sonntag ist schulfrei, es findet aber ein Gottesdienst statt.

Schülervertretung

Zwei deutsche Volontärinnen Karin Renschler und Sarah Rüdenauer vom „Internationalen Bund (IB)“ sind ein Jahr zu Gast und unterstützen mit großem persönlichen Einsatz die Lehrkräfte in allen Belangen bei ihren Tätigkeiten. Sie unterrichten u.a. Deutsch und Französisch und helfen auch den Schulablauf zu organisieren. Zur Zeit stellen sie ihren persönlichen Computer der Schule zur Verfügung, da die schuleigenen defekt sind. Auch hier ist dringend Unterstützung notwendig.

Beeindruckt von der bescheidenen Lebensweise der Bevölkerung und der überall herrschenden Freundlichkeit habe ich beschlossen, mich für dieses Projekt intensiv zu engagieren!

von: Dietmar Sturm, Hünfelden

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